Wie finde ich die beste Krippe für mein Kind? – ein Erfahrungsbericht
von Damian und Gitte Schnyder
Zugegeben, als wir, Gitte und Damian, einen Krippenplatz für unser ungeborenes Kind suchten waren wir furchtbar kritisch. Allzu kritisch vielleicht, aber es ging schliesslich darum, einen Ort und Menschen zu finden, denen wir unseren kommenden Goldschatz anvertrauen würden. Wie findet man einen solchen Platz und solche Menschen?
Unser Rat ist kurz und gut: Geht Euch möglichst viele Krippen, die geografisch in Frage kommen, anschauen, bevor Ihr Euch entschliesst. Warum? Gerade die guten und schlechten Erlebnisse in den verschiedenen Krippen, die wir besucht haben, haben uns bei der Entscheidung geholfen. Und wir gehen davon aus, dass es anderen ähnlich gehen kann.
Wonach suchten wir als werdende Eltern? Wir wollten eine gute Atmosphäre zwischen Erwachsenen und Kindern. Wir wollten, dass uns umsichtige und sympathische Menschen von pädagogisch klugen Zielvorstellungen erzählen. Wir wollten grüne Gärten, biologisches Essen und grosszügige, lichtdurchflutete Räume. All dies nicht nur für das Baby sondern auch für unser schlechtes Gewissen, dass uns bei der Vorstellung, dass wir unser Kind einfach einer Krippe übergeben würden, anstatt uns selber um es zu kümmern, dauernd begleitete.
Nach dem Besuch in der ersten Krippe weinte Gitte draussen auf der Strasse und schwor sich, ihr Kind nie an einem Ort zu lassen, wo die Erwachsenen schreien, statt zu reden. Die Leiterin der Krippe hatte uns während des ganzen, kurzen Gesprächs angeschrien, ebenso die Kinder, die am anderen Ende des Zimmers spielten sowie die neben ihr. Nach nur einer halben Stunde waren wir völlig entnervt und geschafft und uns graute vor dem Gedanken, dass unser Baby es dreieinhalb Tage pro Woche mit dieser Frau aushalten müsste.
Bei der zweiten Krippe, die wir uns anschauten, führte die offene Eingangstüre direkt auf eine Strasse und die jungen Mädchen drinnen hörten laut Popmusik und schwatzten miteinander, während die Kinder unbeachtet daneben spielten. Das ganze Betreuungspersonal - so schien es uns – machte gerade bei den Kindern Pause. Doch was wir sahen war, so belehrte man uns, das so genannte „freie Spielen“, das die Kinder hier hauptsächlich praktizierten.
Noch ganz ohne Kinder war die dritte Krippe. Wir standen in einem leeren
Raum mit einem wortreichen Krippeninhaber, der von Umbauplänen und Spielzeugen sprach und damit versuchte den Tagessatz von 130 Franken zu erklären. Das war zu Zeiten akuter Krippenknappheit, doch selbst wenn wir uns diesen Satz hätten leisten können, hätten wir aus Prinzip nicht soviel zahlen wollen.
Eine richtiggehende Villa Kunterbunt war die nächste Krippe, die wir besuchten. Alle Fenster waren vollgemalt mit Tieren, Sonnen und Sternen, es funkelte Lebensfreude aus allen Ecken und alles, was sich im Haus fand, schien durch Kinderhände gegangen zu sein. In einem Stock war eine Gruppe daran zu singen, im anderen Raum hopsten Kinder herum und als wir sie fragten, ob es ihnen hier gefalle, riefen sie laut ja und bestanden darauf, uns ihre Schlafmatratzen zu zeigen. Wir warteten lange, bis die Leiterin Zeit für uns hatte, was uns gar nichts ausmachte, denn so konnten wir beobachten, wie eine Gruppe von glücklich plappernden Kindern sich die Zähne putzte und sich für den Mittagsschlaf bereit machte. Zum ersten Mal erahnten wir, dass eine Institution wie diese hier in der Lage sein würde unserem Kind Erlebnisse und Erfahrungen zu geben, die wir Eltern nicht zu vermitteln vermögen. Die Warteliste dieser Krippe war hoffnungslos lang. Wir wollten trotzdem unbedingt auf der Liste stehen.
Nach diesen Besuchen war die Suche nach einem Krippenplatz um Vieles einfacher: wir wussten aufgrund der negativen und positiven Erfahrungen, wie wir uns die Wunschkrippe für unser Kind vorstellten. Im Babar in Oerlikon haben wir sie gefunden und glücklicherweise, gab es dann auch Platz für Matis, als er acht Monate alt war. Zwei Jahre später ist Matis einer der Buben, die sich jeden Morgen darauf freuen ins Babar zu Evelyne, Karin und Co. zu gehen. Es ist für uns heute nicht mehr so wichtig, ob Matis in einem grossen Garten spielen kann oder ob er jeden Tag biologische Mahlzeiten erhält. Wichtig ist uns das Gefühl, dass die Betreuerinnen im Babar täglich versuchen, den Kindern einen guten Tag und eine gute Woche zu schenken.
P.S. Die letzte Krippe, die Villa, von der wir so begeistert waren, ist – so erfuhren wir später – die Krippe, in der Karin und Eveline zwei Jahre als Gruppenleiterinnen arbeitetetn und von wo aus sie das Chinderhuus Babar gründeten.
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